Was ist smart city, Digitale Transformation, Digitaler Wandel?

(Kein) Versuch einer Begriffsbestimmung

Die Begriffe der Smart City, des Digitalen Wandels oder der Digitalen Transformation finden sich in politischen Programmen, als Überschriften von Fachveranstaltungen und Jahrestagungen, als Aufhänger von Print- und digitalen Medien. Sie sind in aller Munde. So Vielfältig die Verwendung dieser Begrifflichkeiten ist, so vielfältig ist auch das Verständnis derselben. Oft entscheidend auch die berufliche Herkunft des Senders über den Inhalt. Spricht man von Smart City denken IT-affine Zuhörer wohl an eine technische Revolution, an Glasfaser und an WLAN-Hotspots, während Stadtplaner bereits Konzepte einer nachhaltigen Raum- und Mobilitätsgestaltung der Stadt gedanklich zeichnen.

Wenngleich bislang viele Umschreibungen einer Smart City, des Digitalen Wandels oder der Digitalen Transformation erfolgt sind und die Grundzüge und Attribute einer smarten Stadt formuliert wurden, gibt es noch keine einheitliche Definition.

Arbeitskreise im Deutschen Institut für Normung haben folgende Definition einer Smart City erarbeitet:

Smart Cities bezeichnen einen Siedlungsraum, in dem systemisch (ökologisch, sozial und ökonomisch) nachhaltige Produkte, Dienstleistungen, Technologien, Prozesse und Infrastrukturen eingesetzt werden, in der Regel unterstützt durch hochintegrierte und vernetzte Informations- und Kommunikationstechnologien.

Das Deutsche Institut für Urbanistik umschreibt eine Smart City wie folgt:

„Die Smart City ist eine Stadt, in der durch den Einsatz innovativer (vor allem IuK-) Technologien intelligente Lösungen für ganz unterschiedliche Bereiche der Stadtentwicklung (Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, Dienstleistungen oder Sicherheit) erzielt werden… In infrastruktureller Hinsicht geht es dabei um die intelligente Vernetzung innerhalb eines Sektors (zum Beispiel die Kombination verschiedener Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien) oder auch zwischen Sektoren (zum Beispiel Fahrzeugbatterien als Energiespeicher). Die Lösungen zielen ganz allgemein auf die Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, auf die Erhöhung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sowie auf die Steigerung der Lebensqualität der Stadtbewohner ab. Insofern umfasst die Smart City nahezu alle städtischen Lebensbereiche.“

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung wählt eine ähnlich abstrakte Umschreibung:

 

Als Smart City bezeichnet der BBSR eine Stadt, in der „neue Technologien in den Bereichen Infrastruktur, Gebäude, Mobilität etc. intelligent systemübergreifend vernetzt werden, um Ressourcen, wie Energie, Wasser etc. hocheffizient zu nutzen und ihren Verbrauch zu reduzieren, neuartige Mobilitätsformen und deren infrastrukturelle Voraussetzungen vernetzter Services antizipiert, entwickelt und realisiert werden, Platz für Innovationen und Erprobung neuer Ideen, Verhaltensweisen und Lösungswege geschaffen wird, integrierte (Stadt-)Planungsprozesse wie z.B. integrierte Energie- oder Mobilitätskonzepte mit den Möglichkeiten und Anforderungen neuer Technologien verzahnt werden und im Sinne von Good Governance interaktive Kommunikations- und Management-Systeme eingesetzt werden, um die Dynamik der Stadt effektiv und auf Beteiligung setzend steuern zu können.

Auch die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement blickt weit über rein technische Komponenten hinaus. Vielmehr nutze eine digitale Kommune technologische Möglichkeiten, um die Lebens-, Standort- und Arbeitsqualität in der Kommune wirkungsvoll und nachhaltig zu verbessern. Sie setzt dabei auf Prinzipien wie Zusammenarbeit, Kollaboration, Vernetzung und Teilen.

Alle Umschreibungen einer smarten Stadt heben die Vernetzung, die Nachhaltigkeit und die Bürgerbeteiligung mit dem Ziel der Steigerung der Standortattraktivität hervor. Dabei spielen neue technische Möglichkeiten eine zentrale Rolle – als Werkzeug zur Zielerreichung. Eigentlich ist das nichts neues für die Städte, sondern eine Umschreibung dessen, was die Städte schon immer antreibt, attraktiver, bürgerfreundlicher, offener und moderner zu werden. Neu ist aber, dass der rasante technische Fortschritt einen Stand erreicht hat, der geeignet ist, unser Verständnis einer Stadt und des gesellschaftlichen Miteinanders gänzlich zu verändern. Seien es Fragen der Datenherrschaft und der Datensicherheit, der Verantwortungsverlagerung von Mensch auf Maschine oder der Verlagerung menschlicher Beziehungen vom Marktplatz auf digitale Plattformen. Diese und andere ethische Fragestellungen werden auch in der Kommunalpolitik diskutiert werden müssen. Umgekehrt bieten neue technische Möglichkeiten aber auch Chancen in vielen Bereichen der kommunalen Aufgabenerfüllung. Verwaltungsabläufe können vereinfacht, „smarter“ gemacht werden, räumliche Distanzen können digital überwunden werden und Defizite behoben werden.

Der Bayerische Städtetag bemüht sich nicht um eine abschließende Definition der Smart City, des Digitalen Wandels oder der Digitalen Transformation. Vielmehr geht es darum, ausgehend vom umfassenden Aufgabenspektrum einer Kommune zu sortieren, auf welche Bereiche sich der Digitale Wandel als äußerer Einfluss auswirkt. Den Prozess, die äußeren Einflüsse des Digitalen Wandels in die Stadtgesellschaft zu übersetzen, bezeichnen wir als Digitale Transformation. Dieser Begriff impliziert eine steuernde Rolle der Kommune. Ziel ist eine attraktive, bürgerfreundliche, offene und moderne, mithin eine smarte Stadt.

Innerhalb dieses Prozesses sind folgende Bereiche für die Kommunen relevant:

  1. Digitale Stadtverwaltung – Kommunikation und Verwaltungsabläufe innerhalb der Verwaltung (eAkte, Datenmanagementsystem, Datenschutz und Datensicherheit, Change Management und Personal).
  2. Kommunikation zwischen der Verwaltung und der Stadtgesellschaft innerhalb und außerhalb der Aufgabenerfüllung.
  3. Stadtpolitische, stadtgesellschaftliche und ethische Folgen neuer technischer Möglichkeiten.
  4. Auswirkungen neuer technischer Möglichkeiten auf die Stadtentwicklung im Mobilitäts-, Energie-, Gesundheits-, Pflege- oder Schulbereich sowie im Handel und Handwerk.