BAYERISCHER STÄDTETAG 2019: Digitalisierung zum Anfassen (5)

Digitale Gesundheit und Pflege

Die Beitragsreihe „BAYERISCHER STÄDTETAG 2019: Digitalisierung zum Anfassen“ wird mit unseren Stationspartnern und Ausstellern zur digitalen Gesundheit und Pflege fortgesetzt.

Bereits 2016 zeigte eine repräsentative forsa-Umfrage, dass sich über 80 % der Deutschen vorstellen können, einen Service-Roboter zuhause zu nutzen, um im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben zu können. Angesichts des Pflegekräftemangels denken wir an menschlich aussehende Pflegeroboter, die diese Aufgabe vielleicht einmal übernehmen könnten. In der Tat „arbeiten“ Roboter namens Pepper bereits in Altenheimen, bisher in erster Linie zur Unterhaltung und Aktivierung der Bewohner. Beim Einsatz von Robotern oder Assistenzsystemen werden automatisch personenbezogene Daten aufgezeichnet. Hand in Hand mit deren Entwicklung muss daher auch der Schutz dieser Daten sichergestellt werden.

Die Digitalisierung ist in der Pflege aber schon weiter, nur weniger sichtbar als ein humanoider Pflegeroboter: in der Kranken- und Altenpflege wird Wundliegen durch regelmäßiges Umlagern versucht zu verhindern. Nach einer Studie sind 70 % dieses arbeitsintensiven Umlagerns aber gar nicht notwendig, weil sich die Patienten selbst ausreichend bewegen. Sensoren im Bett können feststellen, ob sich der Patient während der Abwesenheit der Pflegekräfte selbst ausreichend bewegt hat. Dies entlastet nicht nur das Personal, sondern hilft auch dem Patienten, selbst in dem ihm möglichen Rahmen aktiv zu bleiben. Daneben werden heute schon häufiger sog. „Schutzengelsysteme“ eingesetzt, die Demenzkranken erlauben, sich mit Hilfe Sensor gesteuerter Öffnungs- und Schließsystemen so frei wie möglich im Altenheim zu bewegen und auch wieder in ihr Zimmer zurückzufinden. Ferner können Sensorböden das Nachtpersonal von unnötigen Nachschauen entlasten und letztlich auch die Nachtruhe der Bewohner verbessern, indem sie kritische Situationen, z. B. Stürze, melden oder ansonsten „Entwarnung“ signalisieren.

Auch in der medizinischen Versorgung kann die Digitalisierung sehr hilfreich sein, indem die Spezialisten durch Telemedizin zum Patienten gebracht werden, anstatt sie mit oft nicht vertretbarem Zeitaufwand zum Spezialisten zu bringen. Seit 2003 gibt es in Bayern bereits TEMPiS als „Telemedizinisches Pilotprojekt zur integrierten Schlaganfallversorgung“. Seit 2018 ist TeleSchwindel dazugekommen. Dabei wird eine an den Teledoc angeschlossene Video-Kopfimpulstestbrille bereitgestellt. Über die Videobrille kann der Telekonsilarzt auch subtile Augenbewegungsstörungen zuverlässig erkennen und befunden, was für die diagnostische Einordnung beim Symptom Schwindel auch zur Abgrenzung vom Schlaganfall von Bedeutung ist.

Um der Telemedizin eine Basis zu geben, müssen einheitliche Datenformate und -strukturen bundesweit vorgegeben werden, damit digitale Patientenakten statt Papierbefunden Ärzten im Krankenhaus, in niedergelassenen Praxen und im Rettungsdienst zur Verfügung stehen und die Behandlungsqualität gesteigert werden kann.