BAYERISCHER STÄDTETAG 2019: Digitalisierung zum Anfassen (11)

Pflegepraxiszentrum Nürnberg: Aus Innovationen werden Anwendungen

Darstellung: VR-Brille

Das Pflegepraxiszentrum (PPZ) Nürnberg ist ein Verbund pflegepraktischer, wissenschaftlicher und netzwerkbildender Einrichtungen mit dem Ziel, Innovationen in die Anwendung zu bringen. Es erprobt und bewertet im Echtbetrieb von Klinik und Pflegeeinrichtungen neue Technologien und Dienstleistungen auf deren Praxistauglichkeit, Akzeptanz und Nutzen für Pflegende und Gepflegte. Sowohl bei der Auswahl der Testprodukte als auch bei der Erarbeitung der Testkonzeption werden von uns ethische, rechtliche, soziale, ökonomische, pflegepraktische und technische Aspekte einer Technologie analysiert, systematisch gegeneinander abgewogen und bewertet (ELSI+).

Das PPZ-Nürnberg ist Teil des Clusters Zukunft der Pflege und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Motivation und Ziele

Heute gibt es schon zahlreiche innovative Produkte zur MenschTechnik-Interaktion (MTI) im Bereich der Pflege – und es werden ständig neue entwickelt. Allerdings werden viele dieser Produkte im Pflegemarkt gar nicht akzeptiert oder sind den Pflegenden, Nutzern oder Angehörigen nicht bekannt. Ein Grund hierfür ist, dass wichtige pflegepraktische, ökonomische und technische Überlegungen in den Entwicklungs- und Testphasen nicht oder nicht ausreichend Beachtung finden. Viele Unternehmen haben keinen Zugang zu einer systematischen und praxisnahen Testung und Evaluation ihrer Ideen im Pflegealltag. Unser Ziel ist es, den Einsatz neuartiger Pflegetechnologien erlebbar zu machen und dazu beizutragen, die Innovationen in die praktische Anwendung zu bringen, die den Alltag von Pflegenden und Gepflegten erleichtern.

VR Game

Wir testen ein Virtual-Reality-Spiel, das speziell für Senioren entwickelt wurde. Der Spieler wird dabei von einer Betreuungsperson in die virtuelle Welt begleitet, die das Geschehen von außen beobachtet, steuert und beeinflussen kann. Ort des Geschehens ist ein kleiner Jahrmarkt. Das Spiel bietet Pflegenden eine Möglichkeit, Bewohner/Patienten zu mobilisieren und zur Bewegung zu aktivieren. Zudem trägt es dazu bei, Menschen im Alter die Teilhabe an Technik und Fortschritt zu ermöglichen.

Polylinguale Kommunikationsprodukte (App)

Wir testen mehrsprachige digitale Kommunikationslösungen, denn der Abbau sprachlicher Barrieren zwischen Versorgungseinrichtungen und Patienten mit Flucht- oder Migrationsgeschichte zählt zu den künftig noch anwachsenden Herausforderungen. ZIEL: Sprachliche Barrieren zwischen den Beteiligten mit Hilfe modernster Technologien abbauen, um die organisatorischen Abläufe in der Krankenhausroutine zu verbessern und reibungslose Behandlungsprozesse zu begleiten.

Sensorisches Sturzmonitoring

Wir testen ein Sensor-System, das bei pflegerischen Herausforderungen unterstützt: Ein Beschleunigungs- und Lagesensor erkennt zuverlässig Stürze. Zudem beobachtet der Sensor die Zeit seit der letzten Lageänderung und kann eine Umlagerung oder Bewegungsintensivierung durch die Betreuungs- oder Pflegekraft auslösen. ZIEL: Individuelle Bewegung und Lagerung erfolgen zielgerichtet und fördern die Selbstständigkeit des Betroffenen. Die Anzahl von Stürzen kann deutlich verringert werden. Sobald ein definiertes Intervall bewegungslos verstrichen ist, werden Pflegende informiert und können beim Umlagern helfen, um die Druckbelastung an gefährdeten Körperstellen zu reduzieren.