BAYERISCHER STÄDTETAG 2019: Digitalisierung zum Anfassen (12)

TeleSchwindel - Verbesserung der telemedizinischen Diagnostik bei akut aufgetretenem Schwindel in allen TEMPiS-Kliniken

Quelle: München Klinik Harlaching

Die München Klinik ist mit insgesamt fünf Standorten der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Stadt München. Der Verbund bietet innovative Medizin und Pflege ganz nah bei den Patienten und deren Bedürfnissen. Rund 135.000 Menschen lassen sich hier jährlich stationär und teilstationär behandeln, darunter viele Patienten mit der Diagnose Schlaganfall. Um die besonders zeitkritische Behandlung dieser Erkrankung auch im Umland zu verbessern, hat die München Klinik gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Regensburg vor 16 Jahren das telemedizinische Schlaganfallnetzwerk TEMPiS ins Leben gerufen. Das Netzwerk gehört heute mit 23 regionalen Partnerkliniken und jährlich über 7.000 telemedizinisch betreuten Patienten zu den größten seiner Art in Europa.

Motivation und Ziele

In den nächsten Jahren investieren der Freistaat Bayern und die Stadt München rund eine dreiviertel Milliarde Euro in den Neubau und die Modernisierung der Standorte. Es ist eines der größten Zukunftsprojekte im deutschen Gesundheitswesen. Wir sehen diese Ausgangsposition als Chance auch für die Digitalisierung. Viele Themen haben bereits eine lange Tradition bei uns – wie beispielsweise die Telemedizin. So bringen wir im Rahmen des TEMPiS-Netzwerks unsere Expertise via Videoschalte in die Partnerkliniken im bayerischen Umland. Unsere Mitarbeitenden können via Cloudlösung von überall auf der Welt auf ihren Arbeitsplatz zugreifen. Die niedergelassenen Ärzte in München haben über ein passwortgeschütztes Portal Zugang und erfahren, wie die Operation gelaufen ist und wie es den Patienten geht, die sie überwiesen haben. Das sind nur einige Beispiele. Im Kern muss bei der Digitalisierung immer der konkrete Nutzen für unsere Patienten oder Mitarbeiter im Vordergrund stehen.

TeleSchwindel – Verbesserung der telemedizinischen Diagnostik bei akut aufgetretenem Schwindel in allen TEMPiS-Kliniken

Plötzlich einsetzender Schwindel ist ein ernsthaftes Warnsymptom, da die Ursache ein Schlaganfall sein kann. Die schnelle Unterscheidung zwischen diesem und einer vergleichsweise harmlosen Erkrankung des Innenohrs ist in der Notaufnahmesituation extrem wichtig. Denn im Falle eines Schlaganfalls gilt: Time is Brain!

Für die Unterscheidung ist die genaue Beurteilung der Augenbewegungen äußerst wichtig. Hierfür wird viel Erfahrung benötigt, die in Kreiskrankenhäusern nur eingeschränkt vorhanden ist. Die telemedizinischen Unterstützungsmöglichkeiten waren bisher unbefriedigend, da die Augenbewegungen über Standard-Videokonferenzsysteme nicht ausreichend gut beurteilt werden können.

Mit dem Projekt „TeleSchwindel“ ändert sich dies gerade. Durch die finanzielle Förderung des Bayerischen Gesundheitsministeriums und der Deutschen Stiftung Neurologie wird jeder TEMPiS-Klinik eine spezielle Videobrille zur Verfügung gestellt. Über diese kann der Telekonsilarzt auch subtile Augenbewegungsstörungen zuverlässig erkennen und befunden. Diese telemedizinische Anwendung wurde speziell für das Projekt neu entwickelt und wird im Rahmen des Projekts erstmals in der Patientenversorgung eingesetzt.

In dem Projekt soll aber auch die weitere Versorgung von Schwindelpatienten verbessert werden: Durch intensive Schulungen und einer telemedizinischen Beratung durch Spezialisten wird den ärztlichen Kollegen in den Kreiskliniken zusätzliche Expertise zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig werden für die Therapeuten der Netzwerkkliniken gezielt spezielle Schulungen für die Behandlung von Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen erarbeitet und geschult. Für die schwierigen Fälle werden Spezialsprechstunden in den Schwindelzentren der München Klinik Harlaching und der Kreisklinik Altötting angeboten.