„digitale gesellschaft. digitale städte.“ – Ein Rückblick auf den BAYERISCHEN STÄDTETAG 2019 (Teil 1)

Der BAYERISCHE STÄDTETAG 2019 tagt in Augsburg

Quelle: Christian Spar

Die Digitalisierung ist im Zusammenspiel mit den anderen Einflussfaktoren des Demografischen Wandels, des sozialen Wandels oder des Klimawandels zentraler Treiber der Gesellschaft. Die Digitalisierung wird neue Berufsbilder schaffen und manche Berufsbilder verschwinden lassen. Lebenslanges Lernen wird unverzichtbar, Schul- und Hochschulwissen schneller denn je überholt sein. Erwerbsbiografien werden entstandardisiert, die Arbeitsleistung flexibilisiert. Selbständige Arbeitsverhältnisse werden zunehmen. All das wirkt sich unmittelbar auf staatliche Sicherungssysteme aus und auf das soziale Gefüge der Stadt.

Die Digitalisierung bietet aber auch große Chancen, negative Folgen anderer Einflussfaktoren, etwa des Demografischen Wandels oder des Klimawandels umzukehren. Eine stärkere Vernetzung datengestützter Angebote kann dazu beitragen, Ressourcen effizienter zu nutzen, beispielsweise bei der Energieversorgung oder bei der Mobilität. Digitale Lösungen in Wohnungen können es älteren Menschen ermöglichen, länger ein selbstorganisiertes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen. Breitband und Mobilfunkanschluss in ländlicheren Regionen machen ggf. einen Umzug zum Arbeitsplatz entbehrlich.

Experten erblicken im Digitalen Wandel die vierte Medienrevolution der Menschheit nach der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks. Tatsächlich finden sich viele Parallelen: Mit der Entwicklung der Sprache ließen sich Informationen in einer Gruppe leichter und schneller austauschen. Durch die Einführung der Schrift gelang es, Informationen auch Personen zugänglich zu machen, die nicht im Augenblick der Äußerung zugegen waren. Durch die Erfindung des Buchdrucks konnte die Information vervielfältigt werden und einer breiten Masse zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung des Smartphones und Tablets bildet die Grundlage für soziale Medien und für einen physisch unbeschränkten Austausch von Information und Meinungen.

Und wie beim Buchdruck werden die Vorzüge eines unlimitierten Informations- und Meinungsaustausches mit Sorgen und Ängsten begleitet: Wer garantiert die Echtheit einer Information, die (früher) in einem Druckwerk vervielfältigt wurde oder (heute) auf gmx oder in Blogs gepostet werden? Wie dämmt man die Gefahr von gesellschafts- und staatsfeindlichen Hetzschriften ein? Uvm.

Der digitale Wandel birgt Chancen und Risiken, für die Gesellschaft, für den Bund, den Freistaat und für die Kommunen. Der Digitale Wandel ist aber zu komplex, ihn in der ganzen Bandbreite zu erfassen oder ihn in Konzepten und Plänen zu packen.

Der Digitale Wandel fordert weit mehr als die Erfindung des Buchdrucks Kreativität und Gestaltungswillen. Und den Mut, gelegentlich zu scheitern (Trial and error).

Auch der BAYERISCHE STÄDTETAG 2019 in Augsburg war in gewisser Weise von diesem Geist getragen.

Wir haben uns bewusst dazu entschieden, zu experimentieren – denn Digitalisierung ist immer auch ein Experiment, das die Gefahr in sich birgt, dass es nicht sofort reibungslos funktioniert.

(Bernd Buckenhofer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bayerischen Städtetag)

Quelle: Christian Spar

Die Kernelemente des BAYERISCHEN STÄDTETAGS, die Gruppenbesprechungen, die Vorstandssitzungen, die Pressekonferenz und die interne Vollversammlung wurden gestrafft, um Zeit und Raum für ein Fachprogramm zu schaffen. Dreißig Stationspartner und Aussteller auf vier Stationen (Digitales Rathaus, Digitale Schule, Digitale Mobilität und Digitale Gesundheit und Pflege) präsentierten den Gästen „Digitalisierung zum Anfassen“ und zeigten einen kleinen Ausschnitt der technischen Möglichkeiten, die bereits heute auf dem Markt sind. Dabei war Platz für Präsentationen und Diskussionen, die von unseren Stationspatinnen Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und unseren Stationspaten Erster Bürgermeister Benedikt Bisping und Oberbürgermeister Gerold Noerenberg geleitet wurden.

Darüber hinaus konnte eine hochgradige Besetzung eines Forums mit Fachvorträgen bereitgestellt werden.

Die Gäste konnten frei zwischen fünf parallel stattfindenden Ereignissen wählen oder die „Messe“ auf eigene Faust erkunden. Diese Kombination bot genügend Raum für fachlichen Austausch, Information und einen geselligen Ausklang.

Auch das Umfragetool sli.do kam erstmals auf dem BAYERISCHEN STÄDTETAG 2019 zum Einsatz. Am Mittwoch Nachmittag wurden den Gästen fünf Fragen zu den Stationsthemen zu jeder vollen und halben Stunde gestellt. Die Ergebnisse des Votings wurden live auf zwei Bildschirmen präsentiert und hielten Einzug in die Podiumsdiskussion am Donnerstag.

Die aus den Diskussionen in den Stationen gewonnenen Erkenntnisse flossen ungefiltert in die Vollversammlung für Mitglieder und Gäste am Donnerstag ein. Dort fanden sich die Stationspatinnen und Stationspaten auf dem Podium in der Diskussion mit dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger und dem Amtschef des neuen Digitalisierungsministerium Dr. Hans Michael Strepp. Die mehrfach ausgezeichnete Moderatorin, Katrin-Cecile Ziegler, leitete die Diskussionen. Dabei konnten die Gäste über sli.do direkt Fragen an das Podium stellen.

Grundlage der fachlichen Diskussion war eine gänzlich analoge Forderungsbroschüre, die mit den Erkenntnissen aus den Diskussionen auf den Themenstationen angereichert wurden.

Forderungen_des_Bayerischen_Staedtetags

 

Sie können die Forderungsbroschüre hier downloaden.

Eingeleitet wurde die Vollversammlung mit Themenreden des Vorsitzenden des Bayerischen Städtetags Dr. Kurt Gribl und des Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder sowie einer beeindruckenden Tagungsrede des mehrfach preisgekrönten Prof. Dr. Sami Haddadin, einem Experten auf dem Bereich der Maschinenintelligenz und Robotik.

Das Experiment BAYERISCHER STÄDTETAG 2019 ist geglückt, dank einer perfekt organisierten Gastgeberin, der Stadt Augsburg, dank der permanenten Unterstützung des Hallenteams Kongress am Park, dank der Bereitstellung des Zehnfachen der üblichen Internetbandbreite durch M-Net, dank der Innovationskraft unserer Stationspartner und Aussteller, dank der vielen Rednerinnen und Rednern im Fachforum und in der Vollversammlung, dank unseren Stationspatinnen und Stationspaten und nicht zuletzt dank des großen Interesses unserer Mitglieder.

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