Eine Datenstrategie für die Landeshauptstadt München

Bild: Claudia Waldmann

Die digitale Transformation der Verwaltung wird substantielle Änderungen bei den digital unterstützten Diensten und Angeboten der Landeshauptstadt München mit sich bringen. Daten werden ein wesentlicher Faktor dabei sein. Ihre Handhabung bringt aber auch hohe Anforderungen mit sich. Eine Datenstrategie soll den Umgang mit Daten in der Stadt regeln.

Die Digitale Transformation der LHM.

Daten in elektronischer Form sind die Basis jeder Digitalisierung. Schon sprichwörtlich wird heute bei Daten vom Öl der Digitalen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gesprochen. Denn Daten sind nicht nur eine Quelle unmittelbar nutzbarer Information. Die Information treibt die gesellschaftliche Entwicklung an und sie sichert den wirtschaftlichen Erfolg der Metropole. Zudem wird diese Entwicklung auch mit Daten gesteuert.

Bei der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt München (LHM), die mit ihren 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für mehr als 1,5 Millionen Menschen allein schon im Stadtgebiet Aufgaben leistet und Dienste anbietet, wird eine große Menge an Daten verarbeitet. Dies erfolgt teils noch in analoger, aber ebenso in digitaler Form. Durch die Digitalisierung der Verwaltung werden zunehmend mehr Daten entstehen, die es zu bewältigen aber auch sinnvoll zu nutzen gilt. Die aus vorhandenen, teils brachliegenden und neuen Daten abgeleitete Information kann für Mehrwertdienste der Verwaltung und der Wirtschaft erschlossen werden. Deren Verfügbarmachung werten den Standort München in wirtschaftlicher und in gesellschaftlicher Hinsicht auf. Zugleich berühren Daten auch schützenswerte Bereiche, wirtschaftliche wie auch persönliche. Es ist daher wichtig, dass im Zuge der digitalen Transformation die vielfältigen Auswirkungen und Wechselbeziehungen auf allen Ebenen verstanden und immer im Blick behalten werden, um die technologischen, ökonomischen, soziologischen und ökologischen Effekte abwägen und zielgerichtet zum Wohle der Stadtgesellschaft insgesamt nutzen zu können – für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft, Organisationen und Wissenschaft. Denn die aus Daten neu gewonnene oder abgeleitete Information ist essentiell für die Stadtentwicklung und nützlich für die Stadtgesellschaft insgesamt, nicht nur für eine leistungsfähige und moderne serviceorientierte Verwaltung.

Nutzen für die Stadtgesellschaft.

Daten helfen bei der Optimierung der Prozesse der Stadtverwaltung und stellen zudem die Grundlage jedes informierten Handelns dar, nicht nur für die Verwaltung, sondern für alle an der Stadtgesellschaft beteiligten Akteure, Organisationen wie Individuen. Die Daten sind der substantielle Anteil bei der Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Verwaltungsvorgängen oder von Planungsvorgängen. Daten ermöglichen und unterstützen die Darstellung der Ist-Situation der Stadt München, sei es mit statischen oder auch dynamischen Daten (wie z. B. Verkehrs- oder Umweltdaten), sie bilden die Grundlage bei Simulationen zur Verbesserung der Stadt-Situation und bei der Weiterentwicklung der Stadt. Die Daten der Stadtverwaltung sind auch Basis für eine informierte Bürgerbeteiligung. Die Daten und ihre Darstellung nach außen bestimmen und fördern das Kundenerlebnis beim Umgang der Stadtgesellschaft mit der Verwaltung der Metropole München. Bereits heute werden von der LHM vielfältige Daten erhoben, ausgewertet, verarbeitet und veröffentlicht. Die historisch bislang oft nur in jeweils isoliertem fachlichen Anwendungskontext erfolgte Verarbeitung wird sich dahingehend wandeln, dass sie nun im globalen Kontext der Stadtverwaltung gesehen wird, um größten Nutzen und die beste User Experience zu ermöglichen. Stellenweise werden Verwaltungsvorgänge allerdings noch immer analog mittels Papier durchgeführt, und der Fluss der Daten innerhalb der Verwaltung ist hier teilweise noch durch Medienbrüche gekennzeichnet, oder die Daten liegen im Original oder im Archiv in nicht-digitaler Form vor. Es ist offensichtlich, dass sich hier ein großes Handlungsfeld auftut, und nicht nur, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen hier eine Veränderung forcieren. Daten sollen für komplexe sachgebietsübergreifende Fachverfahren im Zuge der für die Digitalisierung angepassten Geschäftsprozesse genauso unkompliziert genutzt werden können wie für Anträge, die auf Lebenslagen beruhende Vorgänge betreffen. Generell gilt der Grundsatz: „Die Daten sollen laufen, nicht die Kunden.“

Statische Stadt-Daten, die im Digitalen Zwilling ein virtuelles Abbild der Stadt bieten, dienen der Stadtplanung und können auch darüber hinaus in der Stadtgesellschaft von Nutzen sein, sei es um aktuelle Baustelleninformation zu erhalten, bis hin zu Informationen zu Angeboten von Dienstleistern. Verfügbare Daten sind auch ein Standortfaktor für die Wirtschaft, und ihre Verfügbarkeit (neben einer effizienten Kommunikationsinfrastruktur für Daten) unterstützt die Ansiedlung neuer Unternehmen. Im Bereich der Smart City werden neue Sensor-Daten in großem Umfang zur Verfügung stehen, die für die Stadt und ihre Gesellschaft stets aktuelle Information liefern können, um dynamische Prozesse und Zustände zu verstehen, sei es im Bereich von Umwelt, Verkehr oder anderer der stetigen Wandlung unterworfener Vorgänge. Städtische Daten können aber auch der Wissenschaft als Forschungsgrundlage dienen, und Ergebnisse und Erkenntnisse daraus können selbst wieder in die Stadt zurückfließen, um die Stadtentwicklung sinnvoll zu gestalten. Eine offene Informationspolitik ermöglicht hier zudem eine Partizipation der Stadtgesellschaft bei demokratischen Entscheidungsprozessen. Sie hilft damit auch das Vertrauen in die Stadtverwaltung weiter auszubauen und sich mit der Stadt zu identifizieren.

Vision und Prinzipien der Datenstrategie.

Die Erfassung und der Umgang mit Daten in der Verwaltung darf kein Selbstzweck sein und sollte vielmehr unmittelbar oder mittelbar dem Allgemeinwohl dienen. Sei es durch eine Vereinfachung der Verwaltungsvorgänge, durch Bereitstellung von Information für die Stadtgesellschaft, durch Gewinnung von Daten auf Basis einer effizienten Dateninfrastruktur auf hohem qualitativen Niveau oder zur Schaffung von Mehrwertdiensten. Die Prinzipien der Datenfreiheit und das Konzept Open Data werden genauso zu berücksichtigen sein wie schutzwürdige Belange. Die Landeshauptstadt München pflegt bereits einen verantwortungsvollen Umgang mit den ihr anvertrauten Daten. Datenschutz und Datensicherheit spielen daher auch weiterhin mit der fortschreitenden Digitalisierung eine zentrale und wichtige Rolle beim Umgang mit Daten in der Stadt. Dies gilt es im durchaus herausfordernden Feld, das die Datenstrategie abdeckt, zu bewahren und im Zusammenspiel der verschiedenen Akteure und Partner nachhaltig zu pflegen und auszubauen.

Die Datenstrategie ist eine Querschnittsstrategie in mehreren Dimensionen. Sie betrifft organisatorisch die gesamte Verwaltung mit ihren Referaten und Eigenbetrieben sowie ihre Beteiligungsgesellschaften, und sie berührt essentiell die Belange externer Stakeholder. Es werden organisatorische, technische und rechtliche Fragestellungen zu berücksichtigen sein. Fachverfahren werden anzupassen sein, Datenaustauschformate und Schnittstellen müssen standardisiert werden, Plattformen aufgebaut oder erweitert werden, Dateninfrastrukturen entworfen und ausgebaut werden, und (technische wie auch organisatorische) Kontroll- und Steuerinstanzen müssen etabliert werden. Die Stadtverwaltung selbst wird am intensivsten betroffen sein bei Fragen der Organisation und Kultur, d.h. wie der neue Umgang mit Daten in der Verwaltung gelebt wird, bei den Geschäfts- und Verwaltungsprozessen, wie auch bei den IT-Services und der IT-Infrastruktur. Und es ist zu erwarten, dass mit der fortschreitenden Entwicklung noch viele weitere Aufgaben auf diesen Gebieten entstehen werden, die eine regelmäßige Fortschreibung der Datenstrategie erfordern werden.

Mit einer Datenstrategie als wesentlicher Querschnittsstrategie der Stadtverwaltung werden alle wesentlichen Themen und organisatorischen wie technischen Maßnahmen im Zuge der Digitalisierung der Landeshauptstadt München berührt. Sie soll ein wirksamer Rahmen zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt München zum Wohle der Stadtgesellschaft sein.

Autor:

Janis Papanagnou

Landeshauptstadt München

IT-Referat – Geschäftsbereich 1 – Strategisches IT-Management

IT-Stratege

 

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