Umsetzung des OZG: Ein Kommentar des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Coburg

Bild: Richard Stelzer

Bis Ende 2022 sollen alle Verwaltungsleistungen auch online verfügbar sein. Die Digitalisierung ist aber definitiv nicht mit dem 31.12.2022 abgeschlossen. Es handelt sich um einen langfristigen Prozess, welcher die Verwaltung sehr beanspruchen wird. Die Stadt Coburg befasst sich sehr intensiv mit der Digitalen Transformation (einen kleinen Einblick gibt der Beitrag von Karin Engelhardt im staedtetag.blog) und beabsichtigt, sich organisatorisch wie auch personell auf die Umsetzung des OZG einzustellen. Zum 01.01.2020 wurde deshalb das Amt für Digitalisierung und Kommunikation gebildet.

Die Personaldecken sind aktuell sehr dünn, was den unterschiedlichen Sparzwängen zu verdanken ist. Die Umsetzung des OZG bedeutet für die Stadt Coburg eine personelle Aufrüstung in den Fachbereichen Organisation, E-Government und IuK. Hinzu kommt die notwendige Fachleistung in den Ämtern, um die analogen Prozesse für unsere Bürgerinnen und Bürger sowie den Unternehmen zu digitalisieren. Stichwort „Digitallotsen“.

Das gesamte Thema hat in der Stadt Coburg für sehr viel Überzeugungsarbeit in der Politik gesorgt. Die zusätzlich notwendigen Kosten mussten in einer groß angelegten Informationsveranstaltung im Stadtrat (Sondersitzung „Digitales Rathaus – Umsetzung des OZG) erläutert werden.  M.E. ist dem Gesetzgeber (Bund) an dieser Stelle nicht bewusst, mit welche Schwierigkeiten und Widerständen sich die Verwaltungen auseinandersetzen müssen, zudem das Zeitfenster, 31.12.2022, aus unserer Sicht mehr als ambitioniert ist!

Das digitale Rathaus darf letztendlich nicht nur für unsere Bürgerinnen und Bürger und den Unternehmen einen Vorteil und verbesserten Service mit sich bringen. Auch die Verwaltungen müssen durch Nutzung der eingehenden digitalen Daten vielmehr in der Lage sein, ihre Prozesse zu optimieren um mittel- und langfristig dem bevorstehenden Fachkräftemangel begegnen zu können. Stichwort „Schnittstelle Rathaustür“.

In den nächsten 10 Jahren werden ca. 30 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Alleine in der Stadt Coburg sind heute 57% aller Beschäftigten über 50 Jahre alt.

Aktuell findet in Coburg ein Seminar der BVS für Digitallotsen/Digitallotsinnen statt. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern insbesondere aus den kleinen Gemeinden ist zu entnehmen, dass sie sich wenig „von oben“ unterstützt fühlen und sich sowohl technisch als auch fachlich mit der Umsetzung des OZG überfordert fühlen.

Ein spannendes Thema, was uns sicher auch in den diversen Arbeitskreisen des Städtetages weiterhin sehr intensiv beschäftigten wird. Ein aktueller und zielführender Erfahrungsaustausch der kreisfreien Städte ist wünschenswert.